Donnerstag, 21. Juni 2012

Leseprobe Nr. 2

"Fass mich nicht an!"
"Wieso nicht?"
"Wieso nicht?", schrie ich.
Ich schlug mit meinen Händen auf seine Brust ein, bis er sie festhielt
"Na hör mal!", beschwerte er sich.
Ich riss meine Hände los und stieß ihn ein letztes Mal gegen die Brust - nicht, dass es irgendeinen Einfluss auf ihn gehabt hätte, aber er machte mich einfach so wütend.
"Wieso bist du denn jetzt so sauer auf mich, Arielle?"
"Das fragst du noch? Du hast mich doch absichtlich vor allen bloßgestellt. Du wolltest, dass ich mich blamiere. Nur damit du diesen beschissenen Thron kriegst, den ich nicht einmal haben will!"
Ich hätte als Thronerbin sowieso keine Chance gehabt, denn gegen seinen Charme kam ja doch keiner an.
Er kam wieder auf mich zu und wollte meine Hand umfassen.
"Du sollst mich nicht anfassen habe ich gesagt!"
"Wieso? Du stehst doch ganz offensichtlich auf mich."
Fassungslos stand ich dort, unfähig etwas zu erwidern. Am liebsten wäre ich vor Scham im Erdboden versunken. Ich konnte nichts sagen, also schüttelte ich nur den Kopf und drehte mich um. Ich wollte den Raum verlassen, als ich ihn noch etwas murmeln hörte. "Weiber!"

 
Plötzlich verwandelte sich meine Scham in Wut. Ich fuhr herum und rannte förmlich auf ihn zu. Naja, so weit es dieses monströse Kleid überhaupt zuließ.
Er starrte mich einen Moment verdutzt an, bevor ich ihm eine Backpfeife verpasste. Fassungslos, darüber, dass ich das getan hatte und darüber, wie geschockt er mich ansah, sagte niemand mehr etwas. Wir hielten beide den Atem an.
Ich wusste nicht, was er dachte, so viele Emotionen liefen auf einmal in seinem Gesicht ab. Seine Augen wanderten über mein Gesicht. Sie schienen an meinen Lippen hängen zu bleiben.
"W..."
Plötzlich trat er einen Schritt auf mich zu, umfasste mein Gesicht mit seinen Händen und küsste mich. Es war wie im Traum und doch total anders. Im Traum war es sanft, eher eine Frage. Das hier war draufgängerisch und überheblich. Ich wusste nicht, wie er mit meinem Traum im Zusammenhang stand, doch ganz offensichtlich spielte er ja die Hauptrolle darin.
Das hier, in diesem Moment, lies ein Feuer in mir entfachen, dass ich nicht unter Kontrolle hatte. Ich spürte alles so intensiv, als wäre ich hypersensibel.
Seine Hände, sein Atem, seine Lippen, seine Zunge.
Mit einem Mal wurde mir klar, was ich hier eigentlich tat. Ich küsste meinen Feind. Meinen Konkurrenten. Ich wollte ihn von mir drücken, aber er ließ es nicht zu.
Ich trommelte auf seine Brust ein, nicht mit der vollen Kraft, die ich eigentlich hätte aufbringen können, denn immerhin wurde ich hier gerade von meinem Traummann geküsst. Dennoch war ein Fünkchen Wille da.
Er drängte mich an die Tür und hielt mich so mit seinem Körper und dem kalten Holz im Rücken gefangen. Überall wo er mich berührte hinterließ er ein heißes Prickeln.
Bevor ich meine Beherrschung ganz verlor, tritt ich ihm zwischen die Beine.
Keuchend trat er einen Schritt zurück und krümmte sich vor Schmerz.
Ich brachte mein Gesicht dicht vor seins. "Du hast noch nicht gewonnen!"
Als ich mich umdrehte, um zu gehen, hielt er mein Bein fest. Ich wollte mich noch irgendwo festhalten, doch ich fiel lang auf den Flur. Jetzt war es an mir, keuchend auf dem Boden zu liegen.
Alle Augen im Flur starrten mich an. Die Damen mit ihren vornehmen Kleidern, die Herren mit ihren glatten Anzügen. Und ich, die Prinzessin, die sich bei jeder Gelegenheit blamiert.
"Prinzessin, seid ihr verletzt?", fragte Kyle, als er mir die Hand hin hielt. Sein angedeutetes Lächeln machte mich wütend und doch schaute ich ihn nur mit kalten Augen an. Repräsentation nicht vergessen Arielle!
"Danke, Prinz Kyle. Mir geht es gut." Er drückte meine Hand eine Spur zu fest und als ich wieder auf den Beinen stand, trat ich absichtlich auf seine frisch lackierten Schuhe.
Er biss die Zähne zusammen und lächelte freundlich.
"Das ist gut zu hören. Würdet Ihr mir diesen Tanz gewähren, Prinzessin?"
"Mit dem größten Vergnügen.", gab ich zurück und ignorierte dabei, dass ich keine Ahnung von Walzer hatte.

Kommentare:

  1. Oh mein Gott, das ist SOOOO gut! Ich ich...ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Das könnte wirklich direkt aus einem Buch kommen! Ohhhh Mann, genial. Ich will wissen, wie's weiter geht!!!

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  2. Hihi, witzig.
    Ein paar Fehler waren drin, aber die haben mich nicht weiter gestört.
    Dein Schreibstil gefällt mir, ich finde ja immer noch deine Stelle
    "Du sollst mich nicht anfassen habe ich gesagt!"
    "Wieso? Du stehst doch ganz offensichtlich auf mich."
    total super...

    Christina

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